Kontenrahmen SKR03 und SKR04 — Ordnung im Zahlenwerk

Version 1.1 by Brain Bot on 2026/07/03 17:16

Jede Buchung braucht ein Konto, auf dem sie landet: „Bank", „Bürobedarf", „Umsatzerlöse". Damit nicht jeder Betrieb solche Konten neu erfindet, gibt es fertige Ordnungssysteme — die Kontenrahmen. In Deutschland sind zwei davon Standard: der DATEV-SKR03 und der SKR04. Dieser Artikel erklärt, was dahintersteckt und wie Sie den passenden auswählen.

Kontenrahmen ist nicht gleich Kontenplan

Zwei Begriffe, die oft verwechselt werden:

  • Ein Kontenrahmen ist ein branchenübergreifendes Verzeichnis aller Konten, die in Unternehmen überhaupt vorkommen können — ein vollständiger Werkzeugkasten.
  • Ein Kontenplan ist die daraus abgeleitete, auf Ihren konkreten Betrieb zugeschnittene Auswahl. Ein Friseursalon braucht andere Konten als eine Softwareagentur, greift aber aus demselben Rahmen.

In der Praxis wählen Sie also einen Kontenrahmen und stellen sich daraus bei der Einrichtung Ihrer Buchhaltung Ihren individuellen Kontenplan zusammen.

Zehn Kontenklassen als Grundgerüst

Jeder DATEV-Kontenrahmen ordnet die Konten in zehn Kontenklassen (Ziffer 0 bis 9). Die erste Ziffer der Kontonummer verrät die Klasse, die weiteren Ziffern führen über Kontengruppen bis zum Einzelkonto. Eine vierstellige Kontonummer wie 4200 sagt also schon durch ihre erste Stelle, in welche Kategorie sie gehört.

Der entscheidende Unterschied zwischen SKR03 und SKR04 liegt nicht in den Konten selbst, sondern in ihrer Reihenfolge — also darin, was diese Klassen bedeuten.

SKR03 — geordnet nach dem Geschäftsablauf

Der SKR03 folgt dem Prozessgliederungsprinzip: Die Konten sind so angeordnet, wie ein Geschäft typischerweise abläuft — von der Finanzierung über den Einkauf und die Kosten bis zu den Erlösen und dem Abschluss.

KlasseInhalt (SKR03)
0Anlage- und Kapitalkonten
1Finanz- und Privatkonten (Bank, Kasse)
2Abgrenzungskonten
3Wareneingangs- und Bestandskonten
4Betriebliche Aufwendungen (Miete, Löhne, Kfz)
7Bestände an Erzeugnissen
8Erlöskonten (Umsatzerlöse)
9Vortrags- und statistische Konten

SKR04 — geordnet nach dem Jahresabschluss

Der SKR04 folgt dem Abschlussgliederungsprinzip: Die Konten stehen in der Reihenfolge, in der sie später in Bilanz und GuV erscheinen. Das entspricht dem Gliederungsschema des § 266 HGB für die Bilanz.

KlasseInhalt (SKR04)
0Anlagevermögen
1Umlaufvermögen
2Eigenkapital
3Fremdkapital (Verbindlichkeiten, Rückstellungen)
4Betriebliche Erträge
5 / 6Betriebliche Aufwendungen (Material, Personal)
7Weitere Erträge und Aufwendungen
9Vortrags- und statistische Konten

Dieselbe Buchung, andere Nummer

Ein und dasselbe Konto trägt je nach Rahmen eine andere Nummer. Beispiel Raumkosten (Miete für Geschäftsräume): im SKR03 die 4200, im SKR04 die 6305. Gebucht wird sachlich exakt dasselbe — nur die Sortierordnung dahinter ist eine andere. Das ist wichtig zu wissen, wenn Sie Kontonummern aus Vorlagen oder Ratgebern übernehmen: Sie müssen zu Ihrem Rahmen passen.

Welcher passt zu wem?

Beide Rahmen sind für alle Unternehmensformen zugelassen; die Wahl ist eine unternehmerische, keine gesetzliche Entscheidung.

  • Der SKR03 ist historisch weit verbreitet und beliebt bei kleineren Betrieben, Dienstleistern, Freiberuflern und Handwerk. Seine Prozesslogik liegt nah am buchhalterischen Alltag.
  • Der SKR04 wird häufig von bilanzierenden Unternehmen und Kapitalgesellschaften genutzt, weil seine Struktur direkt auf den Jahresabschluss zuläuft. DATEV gilt er als der modernere Rahmen.

Neben diesen beiden gibt es branchenspezifische Rahmen — etwa den SKR49 für Vereine, Stiftungen und gemeinnützige GmbHs, der 2025 durch den neueren SKR42 abgelöst wurde. Solche Spezialrahmen bilden Besonderheiten wie Spenden, Zuschüsse oder die Trennung in ideellen Bereich und wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb ab.

Früh wählen, selten wechseln

Ob SKR03 oder SKR04 — für das Ergebnis Ihres Jahresabschlusses macht es keinen Unterschied; beide führen zum selben Ziel. Wichtig ist, die Wahl zu Beginn bewusst zu treffen, meist gemeinsam mit dem Steuerberater. Denn ein späterer Wechsel bedeutet, dass sich sämtliche Kontonummern ändern, Auswertungen über Jahre hinweg schwerer vergleichbar werden und Buchungsvorlagen neu eingerichtet werden müssen. Deshalb bleibt der einmal gewählte Rahmen in der Praxis fast immer erhalten. Eine gute Entscheidung am Anfang erspart viel Aufwand später.

Quellen

Stand: 2026-07-03. Dieser Artikel ersetzt keine individuelle Beratung.


Ein Beitrag von Buchhalter.Team — Wie sind unsere nächsten Schritte?

Autor: Andreas Graz, Bilanzbuchhalter — Buchhalter.Team · Buchhaltung mit Gesicht · Stand: 2026-07-03